Der Osterather Sportverein 18/78 e.V. zählt zu den traditionsreichen Sportvereinen der Region Meerbusch. Seit seiner Gründung im Jahr 1918 hat sich der Verein sportlich und gesellschaftlich kontinuierlich weiterentwickelt. Heute engagieren sich mehr als 20 Ehrenamtliche für über 750 Mitglieder in insgesamt 25 Mannschaften. Der Verein steht dabei nicht nur für sportlichen Ehrgeiz, sondern auch für Zusammenhalt, Integration und gesellschaftliche Verantwortung.
Anlässlich des bundesweiten Trikottages, der auf die Bedeutung des Breitensports und des Ehrenamts aufmerksam machen soll, spricht Frederic „Freddy“ Klausner, Kapitän der ersten Herrenmannschaft des OSV Meerbusch, über seine persönliche Verbindung zum Verein, die Rolle des Ehrenamts sowie die Herausforderungen, vor denen Amateurvereine heute stehen.
Alena:
Freddy, als Kapitän der ersten Herrenmannschaft repräsentierst du den OSV Meerbusch nach außen. Stell dich doch zunächst einmal kurz vor und erzähle, welche Bedeutung der Verein für dich persönlich hat.
Frederic Klausner:
Mein Name ist Frederick Klausner, ich bin 36 Jahre alt und spiele seit über 30 Jahren Fußball. Angefangen habe ich damals beim Osterather SV, also dem heutigen OSV Meerbusch. Anschließend durfte ich vier Jahre lang in der Jugend von Borussia Mönchengladbach spielen und später mit Bayer Uerdingen in der Niederrheinliga auflaufen.
In dieser Zeit gab es allerdings mehrere einschneidende Ereignisse in meinem Leben. Die Trennung meiner Eltern sowie der Verlust meines Großvaters und meines Trainers haben dazu geführt, dass ich zunächst mit dem Fußball aufgehört habe. Nach etwa zwei Jahren hat mich mein bester Freund schließlich gefragt, ob ich nicht wieder anfangen möchte. Dadurch bin ich zum SSV Strümp gekommen, wo ich insgesamt 16 Jahre gespielt habe.
Vor vier Jahren führte mich mein Weg schließlich zurück zu meinem Heimatverein, dem OSV Meerbusch. Diese Rückkehr bedeutet mir unglaublich viel. Gemeinsam haben wir den Aufstieg aus der Kreisliga in die Bezirksliga geschafft und uns dort direkt etabliert. Bereits in der ersten Saison wurden wir Fünfter, im darauffolgenden Jahr standen wir sogar in der Relegation zur Landesliga. Auch in dieser Saison kämpfen wir erneut um den Aufstieg.
Besonders schön ist für mich, wieder für den Verein spielen zu dürfen, mit dem ich aufgewachsen bin. Ich kenne viele Menschen hier seit meiner Kindheit und weiß, welchen Stellenwert der Verein in Osterath besitzt. Die langjährigen Unterstützer, die bei jedem Spiel am Platz stehen, sind für mich echte Vereinslegenden.
Deshalb erfüllt es mich mit großem Stolz, den Verein als Kapitän der ersten Herrenmannschaft vertreten zu dürfen. Der OSV hat sich in den vergangenen Jahren sowohl sportlich als auch medial enorm entwickelt. Gleichzeitig spürt man hier nach wie vor ein starkes Vereinsleben und einen außergewöhnlichen Zusammenhalt.
Alena:
Inwiefern schafft es der Verein deiner Meinung nach, Menschen zusammenzubringen, die sich im Alltag vielleicht nie begegnen würden?
Frederic Klausner:
Sport verbindet Menschen wie kaum etwas anderes. Herkunft, Religion oder soziale Unterschiede spielen dabei keine Rolle. Gerade im Amateurfußball erlebt man sehr deutlich, wie Integration funktionieren kann.
Bei uns im Verein gibt es beispielsweise einen Spieler, der nach Deutschland geflüchtet ist und von der Mannschaft sofort aufgenommen wurde. Der Verein unterstützt ihn nicht nur sportlich, sondern auch persönlich. Genau solche Beispiele zeigen, welche gesellschaftliche Bedeutung Vereine haben.
Darüber hinaus entstehen im Vereinsleben Kontakte, aus denen oft echte Freundschaften werden. Ich habe in meiner gesamten Laufbahn selten eine Mannschaft erlebt, in der der Zusammenhalt so stark ist wie beim OSV Meerbusch. Das macht den Verein für mich besonders.
Alena:
Vor welchen Herausforderungen steht der Verein aktuell?
Frederic Klausner:
Durch die sportliche Entwicklung wachsen natürlich auch die Anforderungen. Die erste Mannschaft kämpft um den Aufstieg in die Landesliga, die zweite Mannschaft ist in die Kreisliga A aufgestiegen und auch die dritte Mannschaft sowie die Damenmannschaft entwickeln sich sehr positiv.
Mit diesem sportlichen Erfolg steigen allerdings auch die infrastrukturellen und finanziellen Anforderungen. Unsere Platzanlage stößt zunehmend an ihre Grenzen und gleichzeitig benötigt leistungsorientierter Amateurfußball entsprechende finanzielle Mittel.
Deshalb müssen wir langfristig neue Wege finden, um zusätzliche Einnahmen zu generieren und die Infrastruktur weiter auszubauen. Nur so kann sich der Verein nachhaltig weiterentwickeln.
Alena:
Welche Rolle spielt ehrenamtliche Arbeit dabei?
Frederic Klausner:
Das Ehrenamt ist die Grundlage jedes Vereins. Ohne Menschen, die ihre Freizeit investieren und sich engagieren, würde ein Verein nicht funktionieren.
Gerade beim OSV merkt man, wie viel Herzblut hinter der täglichen Arbeit steckt – sei es im Vorstand, bei der Organisation, im Jugendbereich oder auch in der medialen Außendarstellung. Viele dieser Personen arbeiten im Hintergrund und erhalten oft nicht die Aufmerksamkeit, die sie eigentlich verdienen.
Dabei investieren sie ihre Zeit freiwillig und tragen maßgeblich dazu bei, dass der Verein überhaupt existieren und sich weiterentwickeln kann. Für mich besitzt dieses Engagement sogar einen höheren Stellenwert als sportlicher Erfolg.
Alena:
Welche Bedeutung hat aus deiner Sicht der Trikottag für den Breitensport und das Ehrenamt?
Frederic Klausner:
Ich finde die Idee des Trikottages großartig. Das Trikot steht symbolisch für die Werte und die Identität eines Vereins. Wer sein Trikot trägt, zeigt automatisch, dass er hinter seinem Verein steht.
Außerdem schafft der Aktionstag Sichtbarkeit für den Amateur- und Breitensport. Viele Menschen unterschätzen, wie viel ehrenamtliche Arbeit hinter einem funktionierenden Vereinsleben steckt. Deshalb ist es wichtig, diese Arbeit öffentlich wertzuschätzen.
Man merkt außerdem, wie emotional die Verbindung zum eigenen Verein sein kann. Selbst meine Tochter trägt regelmäßig stolz ihr OSV-Trikot. Genau solche Momente zeigen, welche Bedeutung Sportvereine für Familien und Gemeinschaften haben.
Alena:
Wenn du einen Wunsch an Politik und Gesellschaft frei hättest – insbesondere mit Blick auf den Breitensport –, welcher wäre das?
Frederic Klausner:
Ich wünsche mir vor allem bessere infrastrukturelle Bedingungen für Kinder und Jugendliche. Gerade bei uns sieht man deutlich, dass die vorhandenen Sportflächen nicht mehr ausreichen.
Wir verfügen über einen Kunstrasen- und einen Rasenplatz, wobei im Winter praktisch nur der Kunstrasen genutzt werden kann. Gleichzeitig müssen dort mehr als 20 Mannschaften trainieren und spielen. Das zeigt, wie dringend zusätzliche Sportflächen benötigt werden.
Hinzu kommt, dass es heutzutage immer weniger öffentliche Bolzplätze gibt. Viele Kinder und Jugendliche haben dadurch kaum noch Möglichkeiten, außerhalb des Vereins Fußball zu spielen.
Deshalb wünsche ich mir, dass Politik und Kommunen stärker in den Breitensport investieren und mehr Flächen schaffen. Sportvereine leisten einen enorm wichtigen gesellschaftlichen Beitrag – insbesondere für junge Menschen.
Alena:
Vielen Dank für das Gespräch und deine Einschätzungen zum Vereinsleben sowie zur Bedeutung des Ehrenamts.
Frederic Klausner:
Sehr gerne. Es hat mich gefreut, über den Verein sprechen zu dürfen. Ich bin gespannt, wie sich der OSV Meerbusch in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird.
Alena:
Das bin ich auch. Viel Erfolg für den weiteren Saisonverlauf!


