Heimat, Gemeinschaft und Ehrenamt – im Gespräch mit Marc Szymkowiak

Der OSV Meerbusch steht seit vielen Jahrzehnten für sportliche Gemeinschaft, ehrenamtliches Engagement und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Als einer der zentralen Sportvereine in Meerbusch verbindet der Verein Menschen unterschiedlichster Altersgruppen, Herkunft und Lebensrealitäten. Besonders im Breitensport übernehmen Vereine wie der OSV wichtige soziale Funktionen, die weit über den sportlichen Bereich hinausgehen.

Im Interview spricht Geschäftsführer Marc Szymkowiak über seine persönliche Verbindung zum Verein, die Bedeutung des Ehrenamts sowie die aktuellen Herausforderungen, vor denen Amateurvereine heute stehen.

 

Alena:

Herzlich willkommen zu unserem Interview. Stell dich doch gerne einmal kurz vor und erzähle, welche Bedeutung der Verein für dich persönlich hat.

Marc Szymkowiak:

Mein Name ist Marc Szymkowiak, ich bin 40 Jahre alt und Geschäftsführer des OSV Meerbusch. Der Verein ist für mich mein Heimat- und Herzensverein. Ich bin seit ungefähr 36 Jahren Mitglied, also praktisch seit meiner Kindheit hier aktiv.

Über den Verein habe ich viele Freundschaften fürs Leben geschlossen. Mein heutiger Trauzeuge war beispielsweise früher Vorsitzender des Vereins. Gemeinsam haben wir vor rund acht Jahren begonnen, Verantwortung im Hauptvorstand zu übernehmen.

Der OSV ist für mich ein Ort, an dem ich mich zuhause fühle. Über die Jahre habe ich hier viel Wertschätzung erfahren, was mich persönlich sehr freut. Gleichzeitig war es für uns immer wichtig, dem Verein und damit auch unserem Wohn- und Heimatort etwas zurückzugeben. Genau das war von Anfang an unser Ziel.

Natürlich gibt es im Vereinsalltag auch schwierige Phasen, aber am Ende weiß man immer, wofür die Arbeit geleistet wird. Wenn man nach einer Saison in zufriedene Gesichter blickt und sieht, dass die Gemeinschaft funktioniert, dann merkt man, dass sich der Einsatz lohnt.

 

Alena:

Gibt es einen besonderen Moment im Vereinsleben, der dir bis heute besonders in Erinnerung geblieben ist?

Marc Szymkowiak:

Ja, definitiv mehrere. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir mein erster Aufstieg mit der Seniorenmannschaft in die Bezirksliga. Das war damals völlig unerwartet und wir haben diesen Erfolg gemeinsam mit vielen langjährigen Freunden gefeiert, die bis heute enge Wegbegleiter geblieben sind.

Nach dem Aufstieg haben wir eine Planwagenfahrt organisiert und anschließend im Dorf weitergefeiert. Wenige Tage später ging es dann mit der gesamten Mannschaft nach Mallorca. Diese gemeinsame Zeit verbindet natürlich enorm.

Ein weiterer besonderer Moment war die Ehrung von Willi Hussmann bei unserer Jahreshauptversammlung. Er wurde für 85 Jahre Vereinsmitgliedschaft ausgezeichnet. Solche Ereignisse zeigen eindrucksvoll, welche Tradition und Verbundenheit hinter einem Verein stehen.

Auch die Renovierung unserer Tribüne war für mich ein echtes Highlight. Gemeinsam mit meinem Vater habe ich dafür eine Woche Urlaub genommen. Heute ist die Tribüne ein echter Blickfang auf unserer Anlage und erinnert mich immer daran, was man gemeinsam erreichen kann.

 

Alena:

Inwiefern bringt der Verein Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnen würden?

Marc Szymkowiak:

Ein Sportverein vereint Menschen mit völlig unterschiedlichen Hintergründen. Verschiedene Nationen, Altersgruppen und soziale Schichten treffen hier aufeinander. Viele hätten außerhalb des Sports wahrscheinlich kaum Berührungspunkte miteinander.

Das Besondere ist aber: Sobald man das Vereinsgelände betritt, spielt all das keine Rolle mehr. Hier zählt vor allem die gemeinsame Leidenschaft für den Sport und das Miteinander. Genau das macht das Vereinsleben so wertvoll.

 

Alena:

Welche Bedeutung hat der Verein für die körperliche, aber auch für die mentale Gesundheit?

Marc Szymkowiak:

Sportvereine leisten in beiden Bereichen einen wichtigen Beitrag. Mental bietet der Verein vielen Menschen einen Ausgleich zum Alltag. Man kann den Kopf freibekommen, Zeit mit anderen verbringen und gemeinsam positive Erlebnisse schaffen.

Gerade im Mannschaftssport entsteht außerdem häufig ein Gefühl von Anerkennung und Zugehörigkeit. Menschen haben Erfolgserlebnisse, erhalten Wertschätzung und gewinnen dadurch oft zusätzliches Selbstvertrauen.

Auch für die körperliche Gesundheit versuchen wir als Verein möglichst viele Angebote zu schaffen. In den vergangenen Jahren konnten wir beispielsweise einen Fitnessraum einrichten und die Stadt Meerbusch hat eine neue Laufbahn am Krähenacker gebaut.

Natürlich bleibt das klassische Fußballtraining ein zentraler Bestandteil, aber insgesamt möchten wir den Menschen vielseitige Möglichkeiten bieten, sich sportlich zu betätigen und fit zu halten.

 

Alena:

Vor welchen Herausforderungen steht der Verein aktuell?

Marc Szymkowiak:

Grundsätzlich freuen wir uns sehr über steigende Mitgliederzahlen. Gleichzeitig bringt diese Entwicklung aber auch Herausforderungen mit sich.

Unsere Platzkapazitäten reichen inzwischen kaum noch aus, um allen Mannschaften ausreichend Trainingsmöglichkeiten zu bieten. Zusätzlich fehlt es insbesondere im Jugendbereich an Trainern und Betreuern. Deshalb müssen wir aktuell teilweise mit Wartelisten arbeiten, was natürlich keine ideale Situation ist.

Neben dem Platz- und Personalmangel stellen auch steigende Energiekosten eine große Belastung dar. Als Verein müssen wir wirtschaftlich verantwortungsvoll handeln und gleichzeitig versuchen, weiterhin attraktive Angebote für unsere Mitglieder zu schaffen.

 

Alena:

Wie wichtig ist ehrenamtliche Arbeit für Vereine wie den OSV Meerbusch?

Marc Szymkowiak:

Das Ehrenamt ist die Grundlage jedes funktionierenden Vereins. Ohne ehrenamtliches Engagement könnte ein Verein unserer Größe gar nicht existieren.

Viele Menschen unterschätzen allerdings, wie viel Zeit hinter dieser Arbeit steckt. Manche investieren wöchentlich so viele Stunden wie in einen Nebenjob, teilweise sogar noch mehr – und das alles freiwillig.

Natürlich bringt ein Ehrenamt auch Verantwortung und manchmal Stress mit sich. Gleichzeitig bekommt man aber unglaublich viel zurück. Besonders die Freude der Kinder und Jugendlichen oder die Anerkennung innerhalb der Gemeinschaft zeigen einem immer wieder, warum sich der Einsatz lohnt.

Deshalb ist ehrenamtliche Arbeit für unseren Verein von unschätzbarem Wert.

 

Alena:

Warum ist ein Aktionstag wie der Trikottag für den Breitensport wichtig?

Marc Szymkowiak:

Der Trikottag schafft Aufmerksamkeit für den Amateur- und Breitensport. Gleichzeitig zeigt er Verbundenheit und Identifikation mit dem eigenen Verein.

Solche Aktionstage helfen dabei, den gesellschaftlichen Wert von Sportvereinen wieder stärker in den Fokus zu rücken. Gerade im Alltag wird oft vergessen, wie viel Engagement und ehrenamtliche Arbeit hinter funktionierenden Vereinsstrukturen steckt.

Deshalb finde ich es wichtig, dass Vereine durch solche Aktionen sichtbarer werden und mehr öffentliche Aufmerksamkeit erhalten.

 

Alena:

Wenn du einen Wunsch an Politik und Gesellschaft frei hättest – welcher wäre das?

Marc Szymkowiak:

Ich würde mir wünschen, dass ehrenamtliche Arbeit gesellschaftlich noch stärker wertgeschätzt wird.

Es gibt immer wieder Überlegungen, ehrenamtliches Engagement beispielsweise bei der Rente oder durch steuerliche Vorteile stärker zu berücksichtigen. Solche Maßnahmen wären aus meiner Sicht ein wichtiges Zeichen der Anerkennung.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass Sportvereine auch wirtschaftlich eine wichtige Rolle spielen. Vereine investieren kontinuierlich in Infrastruktur, Material und Sportangebote. Deshalb wäre eine stärkere Unterstützung des Ehrenamts nicht nur gesellschaftlich sinnvoll, sondern auch eine Investition in die Gemeinschaft.

 

Alena:

Gibt es abschließend noch etwas, das du gerne sagen möchtest?

Marc Szymkowiak:

Ich würde mir wünschen, dass Menschen das Ehrenamt nicht ausschließlich als Belastung wahrnehmen.

Vereine können unglaublich viel geben: Freundschaften fürs Leben, gemeinsame Erlebnisse, Zusammenhalt und emotionale Momente. Natürlich gibt es auch stressige Situationen oder Meinungsverschiedenheiten, aber letztlich verfolgen alle dasselbe Ziel – nämlich gemeinsam etwas Positives zu schaffen.

Und genau das macht das Vereinsleben am Ende so besonders.

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